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Alte Fischernetze erhalten ein neues Leben: Von Meeresabfall zu Hochleistungswerkstoffen

von Artur Völk
Head of Circular and Low Carbon Solutions Performance Materials

Kunststoffabfälle sind im Ozean weit verbreitet. Sie finden sich an Küsten, in Meeresorganismen und sogar in den Tiefen des Marianengrabens. Eines der größten Probleme stellen ausgediente Fischernetze dar, die laut Umweltprogramm der Vereinten Nationen fast zehn Prozent aller Kunststoffe in den Weltmeeren ausmachen. Eine Recycling-Initiative von Envalior arbeitet daran, eine lokale Lösung für dieses globale Problem zu bieten.

Jedes Jahr sterben Hunderttausende von Meeresorganismen infolge der Verschmutzung der Ozeane; ausgesonderte Fischernetze stellen dabei einen wesentlichen Beitrag zu diesem Problem dar. Schätzungsweise verbleiben jährlich rund 640.000 Tonnen Fischernetze im Ozean. Diese aufgegebenen Netze stellen eine der größten Quellen für Polyamid-Abfälle in marinen Umgebungen dar.

Die meisten Fischernetze bestehen aus hochviskosem PA6, das zu PA6-Granulat recycelt werden kann. Dieses recycelte Granulat kann anschließend mit Verstärkungsstoffen und leistungssteigernden Additiven compounded werden, um die Anforderungen verschiedener Anwendungen zu erfüllen.

Das Recycling von Fischernetzen erscheint zunächst unkompliziert, ist jedoch ein komplexer Prozess. Die Sammlung und Verarbeitung von Fischernetzen beinhaltet logistische Herausforderungen, da sie hinsichtlich Farbe variieren und an vielen unterschiedlichen Orten entsorgt werden. Fischereigerät ist oft stark kontaminiert und die mDas Material kann durch langanhaltende Einwirkung von Meerwasser und Sonnenlicht abgebaut werden. Daher erfordert das Recycling einen mehrstufigen Prozess, der Qualitätsprüfung, Sortierung, Reinigung, Zerkleinerung und Extrusion umfasst, bevor das Material in Compounds eingesetzt werden kann.

Plastikabfälle in eine wertvolle Ressource verwandeln

Die erfolgreiche Bewältigung dieser Herausforderungen stellt einen bedeutenden Erfolg für das Recyclingprogramm von Envalior dar. In Indien werden jährlich etwa 2.000 Tonnen Fischernetze von einem Zulieferer gesammelt, wobei die Beschaffungsaktivitäten die Küstenregionen des Landes abdecken. Gleichzeitig hat das Programm entlang der lokalen Wertschöpfungskette 300 Arbeitsplätze geschaffen.

Ausgediente Fischernetze werden durch gezielte Sammelaktionen in einen Kreislaufwirtschaftsprozess eingebracht. Durch das Sammeln dieser Netze gibt Envalior den Beschäftigten der Fischereiindustrie einen Anreiz, gebrauchte Netze nicht im Wasser zu entsorgen und trägt zu saubereren Ozeanen und Küsten bei. Das Recyclingprogramm fördert zudem die langfristige Beschäftigung in der Region, da zuverlässige Lieferquellen erforderlich sind. Dieser Prozess führt zu Akulon® RePurposed (umbenannt in Durethan® P25-95R2), einem Compound, das aus 25-95 Prozent recyceltem PA6 besteht und ein Eigenschaftsprofil aufweist, das dem von Neuware nahekommt. Das recycelte Polymer wird aufbereitet und weltweit von Kunden in Anwendungen wie Automobilbau, Konsumgüter, Elektronik, Sportausrüstung und Möbel eingesetzt.

Die mit 30 Prozent Glasfaser verstärkte Variante, Akulon RePurposed RE30, bietet ausgezeichnete mechanische Eigenschaften und hohe Haltbarkeit, wodurch sie sich für anspruchsvolle Anwendungen in Sportgeräten, Möbeln und industriellen Komponenten eignet. Neben ihrer funktionalen Leistung weist diese Grade von Akulon® RePurposed einen deutlich niedrigerenUmweltauswirkung, mit einem Product Carbon Footprint, der mehr als 60 Prozent niedriger ist als der von vergleichbarem, auf Primärrohstoffen basierendem Material.*

Diese Maßnahmen zeigen, wie Recycling auf komplexe Abfallströme – wie ausgediente Fischernetze – angewendet werden kann. Auf diese Weise leistet Envalior einen Beitrag zur Verringerung der Meeresverschmutzung, sichert sekundäre Rohstoffe und unterstützt nachhaltigere sowie widerstandsfähigere Wertschöpfungsketten, während gleichzeitig lokale Arbeitsplätze mit globaler Wirkung geschaffen werden.

(*) Der Vergleich bezieht sich auf Cradle-to-Gate-Product-Carbon-Footprint-Werte von Akulon® RePurposed RE30 und primärem Polyamid 6 (PA6) für den europäischen Markt. Schlussfolgerungen können sich nach dem Veröffentlichungsdatum ändern. Für die aktuellsten Informationen wenden Sie sich bitte an Envalior.

Artur Völk
Head of Circular and Low Carbon Solutions Performance Materials

Artur Völk ist ein engagierter Fachmann im Bereich der Nachhaltigkeit und derzeit als Circular & Low Carbon Solutions Lead – Performance Materials bei Envalior tätig sowie Dozent für Nachhaltigkeit an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Artur hatte zuvor die Position des Senior Sustainability Manager bei LANXESS inne und verfügt über Erfahrungen in verschiedenen Funktionen, darunter Qualitätsmanagement und Produktmanagement. Artur absolvierte einen Masterstudiengang in Business Sustainability Management an der University of Cambridge sowie weitere weiterführende Studien in Applied Polymer Sciences und Materialwissenschaften mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit.

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